MKR [mf] - Tabakindustrie - Thorbecke
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Tabakindustrie - Thorbecke
Liste aller im Internet findbaren Fabriken, ehemalige und auch noch tätige Betriebe.
Diese Liste ist nur ein kleiner Ausschnitt sämtlicher Betriebe und wird laufend aktualisiert. Fehlende Betriebe können auch beim Handelsregister Register Portal nachgeschlagen werden. Ich bitte um Mithilfe bei der Vervollständigung der Liste.

[Staat/Bundesland - Landeskarte]

Legende

Schrift im Blau - existierende Betriebe
Schrift in Gelb - ungesicherte Daten

Schrift in Grün - Größe und Umfang der tabakverarbeitenden Industrie
Schrift in Rot - neuer oder aktualisierter Datensatz
TaFa - Tabakfabrik (Rauch-,Schnupf- und/oder Kautabaktabak und/oder Zigarren und/oder Cigaretten oder alles in einem Betrieb)
ZiFa - Zigarrenfabrik (ausschließlich Herstellung von Zigarren, Stumpen etc.)
KaFa - Kautabakfabrik (ausschließlich Herstellung von Kautabak, Priem, Stangen, Rollen etc.)
CiFa - Cigarettenfabrik (ausschließlich Herstellung von Cigaretten)
SnuFa/Brafa - Schnupftabakfabrik/Brasiltabakfabrik (ausschließlich Herstellung von Schnupftabak, Schmalzler etc.)
Filialen/Größe der Belegschaft: bis 50 = 1, bis 100 = 2, bis 500 = 3, ab 500 = 4, ist der Versuch die Größe mittels Näherungswerten zu beschreiben
Zulief - Zulieferer, Lieferant
Handel - (Groß-)Händler, Vertrieb
Bland, admin. Einheit - Bundesland oder administrative Einheit
exist - Status des Betriebes, ob tätig oder bereits erloschen
 

Laden/Betrieb

Filialen

Größe

Art

PLZ

Ort

Bland, admin. Einheit

exist

Land

Tabak- und Cigarren-Fabriken Franz Heinr. Thorbecke, Stammhaus in Bremen, Filialen in Kassel, Neulußheim; Marken: Wilhelmshöhe

ja

2

TaFa ZiFa

28000

Bremen

Bremen

nein

Deutschland

Franz Heinr. Thorbecke Tabak- und Cigarren-Fabriken, Stammhaus in Bremen, hier Filiale in Kassel

ja

2

TaFa ZiFa

34000

Kassel

Hessen

nein

Deutschland

Franz Heinr. Thorbecke Tabak- und Cigarren-Fabriken, Stammhaus in Bremen, hier Filiale in Neulußheim
-> Neulußheim in alten Ansichten
-> [Click and Jump] (Sicherung)

ja

2

TaFa ZiFa

68809

Neulußheim, Lkr. Rhein-Neckar-Kreis

Baden-Württemberg

nein

Deutschland

Gebrüder Thorbecke Tabak- u. Zigarren-Fabrik, gegr. 1720

ja

2

TaFa ZiFa

49000

Osnabrück

Niedersachsen

nein

Deutschland

A.H. (Andries Hendrik) Thorbecke & Co GmbH Rauchtabak- und Zigarrenfabriken, auch Kautabak; Stammhaus in Mannheim; gegr. 1790, Filialen in Duisburg, Kassel, Lorsch, Bickenbach, St. Ilgen, Heppenheim, Neulußheim

ja

2

TaFa ZiFa

68159

Mannheim

Baden-Württemberg

nein

Deutschland

A.H. Thorbecke & Co GmbH Rauchtabak- und Zigarrenfabriken, auch Kautabak; hier Filiale in Duisburg

ja

2

TaFa ZiFa

47000

Duisburg

Nordrhein-Westfalen

nein

Deutschland

A.H. Thorbecke & Co GmbH Rauchtabak- und Zigarrenfabriken, gründete die erste Tabakfabrik in Kassel

ja

2

TaFa

34117

Kassel

Hessen

nein

Deutschland

A.H. Thorbecke & Co. G.m.b.H. Tabak- und Zigarren-Fabriken, hier Filiale in Bickenbach

ja

2

TaFa ZiFa KaFa

64404

Bickenbach (Bergstrasse), Lkr. Darmstadt-Dieburg

Hessen

nein

Deutschland

A.H. Thorbecke & Co. G.m.b.H. Tabak- und Zigarren-Fabriken, hier Filiale in Heppenheim

ja

2

TaFa ZiFa KaFa

64646

Heppenheim, RegBez. Darmstadt

Hessen

nein

Deutschland

A.H. Thorbecke & Co GmbH Rauchtabak- und Zigarrenfabriken, hier Filiale in Lorsch

ja

2

TaFa ZiFa KaFa

64653

Lorsch, RegBez. Darmstadt

Hessen

nein

Deutschland

A.H. Thorbecke & Co. G.m.b.H. Tabak- und Zigarren-Fabriken, hier Filiale in St. Ilgen

ja

2

TaFa ZiFa KaFa

68181

St. Ilgen, (Gemeinde Leimen), Lkr. Rhein-Neckar-Kreis

Baden-Württemberg

nein

Deutschland

A.H. Thorbecke & Co. G.m.b.H. Tabak- und Zigarren-Fabriken, hier Filiale in Neulußheim
-> Neulußheim in alten Ansichten
-> [Click and Jump] (Sicherung)

ja

2

TaFa ZiFa KaFa

68809

Neulußheim, Lkr. Rhein-Neckar-Kreis

Baden-Württemberg

nein

Deutschland

Weiterführende Quellen:
-> [Google Suche]
-> [Google Suche] (Neulußheim)
-> [Google Bilder Suche]

Morgenweb - Mit dem Tabak kommt der Aufschwung
-> https://www.morgenweb.de/schwetzinger-zeitung_artikel,-neulussheim-mit-dem-tabak-kommt-der-aufschwung-_arid,723831.html
-> [click and jump] (Sicherung)
NEULUSSHEIM
ORTSGESCHICHTE HEIMATHISTORIKER HEINZ SCHMITT SCHILDERT DEN WIRTSCHAFTLICHEN AUFSCHWUNG DER SCHICKARDGEMEINDE DURCH DIE ZIGARRENINDUSTRIE ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS
Mit dem Tabak kommt der Aufschwung
06. November 2015 Autor: Gisela Jahn
Blick in die Neulußheimer Tabakgeschichte: 1955 beschäftigte die Firma Kuppinger noch mehr als 30 Mitarbeiter. Sie war die letzte Zigarrenfabrik des Ortes und schloss 1970. Unten das inzwischen abgebrannte Büro- und Fabrikationsgebräude.
© Dieter Villhauer
Neulußheim.

Bis in die Gründungsjahre der Gemeinde denkt der Heimathistoriker Heinz Schmitt zurück, wenn er die Entwicklung des Ortes beschreibt. Dieter Villhauer steuert dazu aus seinem riesigen Fundus an Dokumenten und Fotos Ort die passenden Abbildungen bei. Dabei geht es auch um die Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse.
Das tägliche Leben in der 1711 gegründeten Gemeinde Neulußheim war lange Jahre sehr schwer. Die ersten etwa 160 Jahre war die Beschaffung der für das Leben erforderlichen Nahrungsmittel mühsam und arbeitsintensiv. Die Ernährung bestand überwiegend aus dem, was die heimische Natur mit Ackerbau und Viehzucht hergab. Der größte Teil der Einwohner war in der Landwirtschaft beschäftigt. Einige gingen einem Beruf nach, andere dienten als Tagelöhner. Strenge Winter und heiße Sommer mit wenig Regen brachten in jener Zeit oft Missernten, die unmittelbar Hungerperioden zur Folge hatten.
Ab 1868 geht's aufwärts
Ab dem Jahr 1868 sollten sich die ärmlichen Zeiten in dem von Julius Schickard gegründeten Weiler ändern: Die Zigarrenindustrie siedelte sich in der kleinen Gemeinde an, deren leichter Sandboden vorzüglich für den Tabakanbau geeignet war. Als erstes ließ sich die Firma Freundlich aus Mannheim nieder und produzierte mit 36 Arbeitskräften Zigarren. Das Leben begann zu pulsieren und brachte der Bevölkerung in den folgenden Jahrzehnten einen höheren Lebensstandard. In jene Zeit fiel die Errichtung der Bahnstation mit Güterverkehr. Das half beim Warenaustausch und der Beweglichkeit der Ortsansässigen. Eine Vergrößerung des Marktbereichs brachte darüber hinaus die Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871. Das waren unter anderem Voraussetzungen für eine sehr starke Entwicklung der Zigarrenfabrikation.
Viele kleine Betriebe produzieren
Große Firmen wie beispielsweise die Firmen Thorbecke und Straßburger aus Mannheim oder auch Retwitzer aus Lampertheim und etliche andere Firmen errichteten in Neulußheim Fabrikgebäude und begannen teilweise mit bis zu 100 Arbeitskräften oder mehr mit der Herstellung von Zigarren. Neben diesen größeren Betrieben produzierten kleinere Firmen und sogar Familien in Heimarbeit dieses Produkt. Heinz Schmitt recherchierte, dass beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 insgesamt 613 Personen (von etwa 2 150 Einwohnern) im florierenden Zigarrengeschäft in Brot und Arbeit standen. Die Aufzeichnungen des örtlichen Pfarrers Trautwein aus dem Jahr 1892 belegen die Fertigung zu diesem Zeitpunkt von über einer halben Milliarde Zigarren in 25 Fertigungsstellen. Daraus hat man errechnet, dass für die Herstellung von 1000 Zigarren ein Arbeitslohn von 5 Mark aufgewendet werden musste, wobei der wöchentliche Verdienst eines Arbeiters 10,50 Mark und einer Arbeiterin 7 Mark betrug. Mit einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 100 Mark wurde ein Werkführer entlohnt. Hatte Neulußheim 1875 noch 1119 Einwohner gehabt, erhöhte sich diese Zahl bis 1890 um 210 auf beachtliche 1329 Einwohner. Aus alten Aufzeichnungen entnahm Heinz Schmitt, dass die Firma Thorbecke bei den Arbeitnehmern besonders beliebt war. Hier herrschte von Anfang an ein gutes Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeitern. Thorbecke war mehr Freund, Berater und Wohltäter als Chef.
Firmenrente eingeführt
Wie sozial Thorbecke eingestellt war, zeigen Niederschriften aus dem Jahr 1891: Er lud seine Neulußheimer Belegschaft zur 100-Jahr-Feier des Stammhauses in das Gasthaus "Zur Restauration" ein. Dort gab er bekannt, dass seine Arbeiter, die zehn Jahre beschäftigt waren und 65 Jahre alt sind, bis zu ihrem 70. Lebensjahr eine Firmenrente erhalten werden. Eine staatliche Altersversorgung gab es im deutschen Kaiserreich zwar seit dem 22. Juni 1889, sie trat allerdings erst ab einem Alter von 70 Jahren in Kraft. Als Wohltäter zeigte sich Thorbecke in Form einer großzügigen Spende für den Bau des damaligen neuen Neulußheimer Kindergartens. Bis zu diesem Zeitpunkt lag die Zahl der durch Thorbecke produzierten Zigarren bei 140 Millionen.
1970 schließt letzte Fabrik
Die Zigarrenfabrikation erstreckte sich über viele Jahrzehnte und endete im Jahr 1970 mit der Schließung der letzten Fabrik. Es war das Anwesen der Firma Heinrich Kuppinger am Ende der Friedrichstraße, in dem die letzten Zigarren hergestellt wurden. Sicherlich, so der Heimatforscher, ist - bedingt durch die Weiterentwicklung und die Industriealisierung - in ganz Deutschland und der Welt der Lebensunterhalt leichter zu bestreiten. Doch sei alten Unterlagen zu entnehmen, dass es in Neulußheim die Zigarrenherstellung war, welche die sparsamen und fleißigen Arbeiter im zweiten Jahrhundert des Bestehens von Neulußheim entscheidend aus ihrer Not und Armut heraus holte. Aus Dürftigkeit entstand ein mäßiger Wohlstand, der auch das Aussehen des Ortes positiv veränderte.
© Hockenheimer Tageszeitung, Freitag, 06.11.2015



EINHAUSEN
WIRTSCHAFT ZAHLREICHE MENSCHEN ARBEITETEN FÜR DIE TABAKINDUSTRIE

-> https://www.morgenweb.de/bergstraesser-anzeiger_artikel,-einhausen-neun-zigarrenfabriken-_arid,1670532.html
Neun Zigarrenfabriken
05. August 2020 Autor: kel
Die Tabakverarbeitung war ein wichtiger Wirtschaftszweig.
© Gemeinde
Einhausen.

Eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielte im 19. und 20. Jahrhundert die Tabakindustrie. In Groß-Hausen ist der Anbau durch eine aus dem Jahr 1798 stammende Tabakwaage nachgewiesen. 1868 richtete Heinrich Straßburger die erste Zigarrenfabrik in Kleinhausen ein. Weitere sollten folgen. Im Jahr 1891 waren bereits 232 Menschen in vier Unternehmen beschäftigt. 1911 gab es in Klein-Hausen acht Zigarrenfabriken, in Groß-Hausen war es eine. Hinzu kamen noch vier Familienbetriebe. kel
© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 05.08.2020



BRÜHL
ORTSGESCHICHTE 1898 VERSCHICKTE POSTKARTE ZEIGT DIE WICHTIGSTEN GEBÄUDE DER HAUPTSTRASSE UND DAS GASTHAUS „ZUM GOLDENEN PFLUG“ / UNBEKANNTER KÜNSTLER VERLEIHT DEM DORF GROSSSTÄDTISCHES FLAIR
Spaziergang durch den Ortskern vor 122 Jahren
-> https://www.morgenweb.de/schwetzinger-zeitung_artikel,-bruehl-spaziergang-durch-den-ortskern-vor-122-jahren-_arid,1675583.html

18. August 2020 Autor: Ralf Strauch (ras)
Dieser „Gruß aus Brühl“ wurde von der Brühlerin Lisa Roßmann vor 122 Jahren an Fräulein Marie Eichelmann verschickt. Die damals gerade erst errichtete Schutzengelkirche (unten), das noch recht junge Schulhaus (unten, Mitte) und das Rathaus (oben links) sind neben dem Gasthaus „Zum goldenen Pflug“ (rechts oben) Stationen des künst-lerischen Rundgangs über die örtliche Avenue des Champs-Élysées – zumindest sieht der Lithograph sie so.
© Rieger
Brühl

Einen großzügigen Boulevard zum Flanieren erkannte im ausklingenden 19. Jahrhundert ein Künstler in der Brühler Hauptstraße. Er gestaltete eine Lithographie, die dann vom Seckenheimer Verlag Jacob Sponagel als Postkarte herausgegeben wurde. So ist eine Ansicht für die Nachwelt erhalten worden, die sicherlich geschönt großstädtisch, im Kern allerdings historisch interessant ist, wie Sammler Gerhard Rieger begeistert feststellt. Verschickt wurde die Postkarte aus dem kleinen Brühl laut Stempel am 23. Dezember 1898. Damals zählte das Dorf gerade rund 1200 Einwohner – knapp ein Zehntel von ihnen lebte im erst 20 Jahre zuvor der Hufeisengemeinde zugeschlagenen Ortsteil Rohrhof. Und die Bebauung von Brühl war bei weitem nicht so großräumig, wie man es heute erleben kann. Der Ort bestand aus der Hauptstraße mit der Kreuzung Ketscher, Mannheimer und Schwetzinger Straße. Westlich ging es bis zur Mühl-, südlich zur Neugasse und östlich bis zur Friedensstraße – dort war zu der Zeit die Villa Meixner in Bau.
Da stellte es für den Künstler schon eine Herausforderung dar, für die Grußkarte die damals üblichen drei Ansichten auszuwählen, denn in Sachen Repräsentationsbauten zeigte sich die Gemeinde schon damals sehr zurückhaltend, nachdem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Fasanerie – ein kleines Lustschlösschen mit Garten – abgerissen worden war.
Blick in beide Richtungen
Doch der Künstler zeigte sich kreativ, stellte sich mitten in die Hauptstraße, blickte janusköpfig einmal Richtung Schutzengelkirche, einmal Richtung Rathaus, wanderte dann mit seinem Skizzenblock vor zur Kreuzung beim früheren Gasthaus „Karpfen“ – übrigens das älteste Haus der Gemeinde – und ließ den Blick Richtung Ketscher Straße streifen. Es war eine gute Wahl, denn immerhin ist die Hauptstraße die älteste Brühler Dorfstraße, die sogar auf das antike Straßennetz der Römer zurückzuführen sein soll. Die „gemeine Ortsgaß“ wurde erst im 19. Jahrhundert zur Hauptstraße. Und was er da im ausklingenden 19. Jahrhundert entdeckte, lässt den Betrachter staunen. Denn in den Augen des Künstlers durchzogen nicht die schmalen Ortsdurchfahrten Brühl, sondern breite Boulevards auf denen Menschen in Sonntagsgarderobe den Augenblick bei einem Spaziergang genießen. Die Herren durchweg gut behütet, die Damen mit neckischem Sonnenschirm. Die Kutschen, die ja im Grunde die Größe heutiger Kleintransporter haben, wirken auf der breiten Straßenflucht geradezu verloren. Da ist offensichtlich die künstlerische Freiheit mit ihm durchgegangen. Doch es schmeichelt dem Ort, dass die postalischen Grüße in die Welt vom urbanen Flair her mit den Ansichten der Metropolen Berlin oder Paris locker mithalten können – Brühl spielt halt schon damals gern bei den Großen mit.
Altbekannter Baukörper
Und was können die Flaneure rechts und links der Hauptstraße bestaunen. Da ist zunächst einmal die runde Darstellung „Hauptstraße mit Rathaus“. Das namensgebende Verwaltungsgebäude findet sich in dieser Perspektive allerdings etwas versteckt am Ende der rechten Straßenseite wieder. In zarten Hellblautönen gehalten, erkennt man leicht den bis heute erhaltenen Baukörper mit dem flachen Dach wieder. Als die Lithographie entstand war der Zweckbau recht modern, denn er war erst etwa 30 Jahre zuvor errichtet worden. im Mai 1865 schrieb das Großherzogliche Bezirksamt an den Brühler Gemeinderat, dass man „mit Vergnügen vernommen“ habe, dass der Ort sein eigenes Verwaltungsgebäude errichten wolle. Im August 1866 waren die Pläne umgesetzt und das Rathaus wurde eingeweiht. Auf der Postkarte erkennt man es im runden Tableau rechts der Mitte.
Viel bildbeherrschender ist im Zentrum ein weiterer hellblauer Bau. Und den zoomt der Künstler auf der zweiten Ansicht, der rechteckig-querformatigen Ansicht näher heran. Es ist das Gasthaus „Zum goldenen Pflug“. Es war einst das größte der drei Gasthäuser – dazu gehörten noch der „Karpfen“ und der „Goldene Ochse“ (heute „Ratsstube“) – an dieser zentralen Kreuzung. Und weil der Prachtbau noch einmal so gut zur Geltung kommt, wenn er von üppigem Grün umgeben ist, hat der Künstler schnell mal den Konkurrenten – das Gasthaus „Zum Ochsen“ – verschwinden lassen und durch eine grüne Grasfläche ersetzt, die in einer prächtig blühenden Wildrose ausläuft. Vielleicht ist das auch ein Hinweis, für welche Zielgruppe die Karte gestaltet wurde, denn der „Pflug“ war auch ein Hotel, aus dem die Gäste so einen „GRUSS aus BRÜHL“ senden konnten. Eventuell sogar mit dem obligatorischen Kreuzchen am Fenster des jeweiligen Gastzimmers.
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war der „Pflug“ mit seinen Kegelbahnen ein wichtiges Zentrum des Vereinslebens. Heute befindet sich auf dem Areal der Platz mit dem Krötenbrunnen. Neben der Wirtschaft, sieht man eine der örtlichen Zigarrenfabriken. Zwei solche Manufakturen gab es. 1893 – also gerade einmal fünf Jahre vor dem Verschicken der Postkarte – wurde die abgebildete Fabrik auf dem einstigen Anwesen in der Ketscher Straße 2 errichtet. Eigentümer des Grundstücks, zu dem auch das Gasthaus gehörte, war Wirt Fritz Pister. Bis zur Aufgabe des Unternehmenszweigs 1922 beschäftigten die verschiedenen Betreiber der Zigarrenfabrik dort immerhin bis zu 50 Frauen aus dem Ort. In dem Haus war eine Zeit lang auch die „Rheinische Cigarren-Fabriken Linz & Compagnie“ aus Mannheim untergebracht. Sie meldete ihren Brühler Betrieb im Januar 1915 an.
Gotteshaus als Höhepunkt
Den Höhepunkt des Rundgangs durch das Brühl des ausklingenden 19. Jahrhunderts hebt der Künstler für die dritte, die hochformatige Ansicht auf. Es zeigt einen modernen Neubau jener Tage – die Schutzengelkirche. Auch da bleibt der Künstler seiner großstädtischen Linie treu und erhöht den markanten Turm derart, dass er locker mit dem Ulmer Münster mithalten könnte. Tatsächlich war die alte Barockkirche zu Füßen des neuen, neogotischen Kirchturms erst ein Jahr vor dem Verschicken der Karte abgerissen worden. Die Einweihung des neuen Gotteshauses hatte, als der Künstler das Bauwerk auf den Druckstein bannte, noch gar nicht stattgefunden, allerdings wurden seit 1897 schon Gottesdienste in der Schutzengelkirche gefeiert. Zu Füßen des gewaltigen Turms erkennt der Spaziergänger durch die Zeit das heutige Alte Schulhaus. Auch das war damals noch ein recht junges Gebäude, denn erst seit 1884 lernten die Brühler Jungen und Mädchen dort das ABC. Die Postkarte vereint also alle Gebäude, auf die man in Brühl damals richtig stolz war.
© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 18.08.2020


SCHWETZINGEN
FUNDSTÜCKE (TEIL 8) FIRMA NEUHAUS WURDE 1886 GEGRÜNDET UND WAR 100 JAHRE LANG EIN FESTER BESTANDTEIL DER SCHWETZINGER INDUSTRIEGESCHICHTE
Kistendeckel erinnert an Zigarren-Dynastie
-> https://www.morgenweb.de/schwetzinger-zeitung_artikel,-schwetzingen-kistendeckel-erinnert-an-zigarren-dynastie-_arid,1717413.html

17. November 2020 Autoren: Andreas Lin , Andreas Lin
Der Deckel der „Schlosspark“-Zigarrenkiste, die sich in einem Schrank der alten Redaktion fand.
© Lin/Archiv
Die Kiste unserer Fundstücke bringt heute ein Stück Schwetzinger Industriegeschichte zutage. Es handelt sich um einen Deckel einer Zigarrenkiste der Marke „Schlosspark“ aus der Produktion der Schwetzinger Firma Neuhaus, die von 1886 bis 1986 bestand. Bekannt wurde sie durch Marken wie „Montan-Union“, „Barsolina“ oder eben „Schlosspark“.
Die Gründung war damals eine Folge der Eisenbahnanbindung Schwetzingens. Am 1. Mai 1886 gründete Caspar August Neuhaus die Zigarrenfabrik August Neuhaus & Cie mit dem Hauptbetrieb in der Friedrichstraße 36 in Schwetzingen. Damals soll der Inhaber noch mit dem Rucksack von Haus zu Haus gegangen sein, um seine Zigarren anzubieten. Aufgrund schnell wachsender Produktionszahlen zog die Firma bereits 1891 in ein größeres Gebäude in der heutigen Bahnhofanlage an der Bismarckstraße um. Die Beschäftigtenzahlen stiegen stetig, wobei übrigens der Großteil aus Frauen bestand. 1926 starb der Gründer und sein 1892 geborener Sohn Dr. Alfred Hugo Neuhaus übernahm das Unternehmen. Schon früh wurden Filialbetriebe in der Umgebung gegründet – bereits 1888 in Neulußheim, 1889 in Rheinhausen, 1893 in Wiesental, später unter anderem auch in Oftersheim und Kirrlach, 1903 sogar in Dresden. Die Produktionszahlen wuchsen bis auf über 100 Millionen Zigarren im Jahr 1936 mit über 1500 Angestellten. Durch Bombenangriffe kam die Produktion 1945 für kurze Zeit zum Erliegen, die Fabrik wurde durch Bombenangriffe schwer getroffen. Dank der beiden Söhne von Dr. Neuhaus, Alfred Hubertus und Peter Neuhaus, konnte die Herstellung aber rasch wieder aufgenommen werden. Im Jahr des 75. Betriebsjubiläums verfügten die August Neuhaus Zigarrenfabriken über drei große Produktionsstätten in Schwetzingen und Hockenheim sowie 14 Filialen im badischen und fränkischen Raum. Dr. Hugo Neuhaus war wenige Monate vor dem Jubiläum verstorben.
Produktion 1976 eingestellt
Als die Umsatzzahlen ab 1973 sanken, erfolgte 1976 der Zusammenschluss des Werkes der Firma Engelhardt in Witzenhausen zur Zigarren-Union-Betriebsgesellschaft und die Verlegung des Firmensitzes, womit das Kapitel Zigarrenproduktion in Schwetzingen beendet war. 1986 wurde das Werk endgültig geschlossen, die Gebäude existieren nicht mehr. An die Zigarrenfabrik erinnert nur noch die August-Neuhaus-Straße.
© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 17.11.2020

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Erklärung:
Ich sammle vorrangig  Informationen zu Betrieben aus Deutschland und dem restlichen Europa. Ich bin auch an Informationen zu Betrieben aus aller Welt interessiert. Dabei möchte ich etwas erfahren über die Geschichte, den Werdegang und wirtschaftliche Daten. Inbesondere möchte ich darstellen welche Betriebe den wirtschaflichen Konzentrationsprozess überlebten bzw. welche  Betriebe durch die Konzentration übernommen wurden. Diese Angaben sammle ich dann auf der Seite "Steckbriefe" und werden entsprechend dem Erkenntnisstand aktualisiert. Die Daten der Betriebe werden hier geografisch sortiert von Nord nach Süd und von West nach Ost.


Ich bin kein Sammler von Dosen, Schachteln und sonstigen Gegenständen (Sammelobjekten), die die Existenz von ehemaligen Betrieben belegen. Doch die Informationen, die Sammler von diesen Gegenständen haben wie die Firmendaten, Logos, Schriftzüge, Embleme, Banderolennummern (die Herstellernummer auf den Steuerzeichen), Orts- und Zeitangaben sind für mich interessant.
MKR [mf]
Mein kleiner Rauchsalon
von Matthias Flachmann
aus Duisburg
Fragen, Anregungen und Kontaktaufnahme bitte über das Forum
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