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Querschnitt 26.01.2002
Rauchzeichen aus dem Hegau

Ein Familienbetrieb im Südbadischen ist einer der wenigen deutschen Zigarrenhersteller

Im Dörfchen Watterdingen, nahe dem südbadischen Tengen im Hegau (Kreis Konstanz), scheint die Welt noch in Ordnung. Die wenigen Landwirte gehen ihrer Arbeit in den Ställen nach. An der Straßenkreuzung treffen sich die Frauen zum morgendlichen Plausch. Und im stolzen Gasthaus Zum Adler, zu dem einst auch eine Bierbrauerei gehörte, gibt es heute statt Stammtischdebatten aromatische Genüsse. Hier hält Walter Messmer (76), der Seniorchef der Kruse-Messmer Cigarrenmanufaktur, die seit den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in diesem Landstrich intensiv gepflegte Tradition der Stumpen- und Zigarrenherstellung aufrecht.

Kautz in Engen, König in Leipferdingen oder Blauband im Tengener Ortsteils Watterdingen waren lange Zeit die großen Namen in Sachen blauem Dunst aus dem Hegau. Im Winter wickelten und rollten Frauen die Stumpen. Im Sommer arbeiteten sie in der heimischen Landwirtschaft.

Früher war die Zigarrenproduktion reine Handarbeit. Es habe damals sogar ein gesetzliches Maschinenverbot gegeben, erzählt Juniorchef Karl-Heinz Messmer (48). In Deutschland gab es 2000 Herstellungsbetriebe. Heute ist diese Zahl auf elf Produzenten geschrumpft.

Messmer ist einer davon - und ist nicht zuletzt im Rathaus von Tengen hoch geschätzt. Wann immer es dort etwas zu feiern gibt, zieht Bürgermeister Helmut Groß eine Zigarre vom Messmer aus der Tasche.

Walter Messmer hat die dramatische Konzentration in der Branche zu Beginn der 60er Jahre als Chance angesehen. Als ehemaliger Betriebsleiter von Blauband in Watterdingen übernahm der gelernte Zigarrenmacher 1964 die schon 1842 gegründete Firma Kruse-Cigarren. Von 1965 bis 1969 wurde noch in Hugstetten bei Freiburg im Breisgau produziert. 1969 hat sich der bodenständige Unternehmer in Watterdingen niedergelassen.

Auch sein Sohn Karl-Heinz lernte das Handwerk von der Pike auf und studierte anschließend Volkswirtschaft. "1986 kreierten wir dann ein völlig neues Produkt, mit dem wir vom angestaubten Stumpen- und Opa-Image, das unserer Branche so zu schaffen machte, weg wollten", sagt der Juniorchef. Zigarren waren zu dieser Zeit fast aus der Mode gekommen. Neue Zielgruppen mussten erschlossen werden. Mit einer aromatischen Spezialkomposition aus Zigarren- und Pfeifentabaken setzte Messmer "völlig neue Akzente". Ein milderer und weicherer Rauchgenuss wurde geboren. Und der fand schnell neue Freunde. Die Messmer Cigarrenmanufaktur entwickelte und fertigte von nun an MC-Special-Cigarillos und -Cigarren.

Dieses Produkt wird inzwischen von anderen Herstellern ebenfalls angeboten. Ausgewiesene Genießer schwören jedoch auf die aromatisierten Zigarillos und Zigarren aus dem Hegau, die zu 100 Prozent aus Tabak bestehen. Bei der heutigen Massenherstellung würden nicht selten auch Bandtabake aus Zellulose und Tabakstaub (Tabakfolie) verwendet, was den Rauchgenuss erheblich schmälere, sagt Karl-Heinz Messmer. Er setze kompromisslos auf Qualität.

Im klimatisierten Rohtabaklager warten Spezialitäten aus Indonesien (Sumatra oder Java) und Brasilien auf die Verarbeitung: edle Deckblätter, Umblätter und Einlagen. An anderer Stelle des Betriebes, einem abgeschlossenen Bereich, werden Tabakmischungen vorbereitet und immer wieder getestet. Dabei sind die Formate der verschiedenen Preisklassen für Zigarren und Zigarillos durchaus verbraucherfreundlich: Sie reichen von 0,41 bis 1,79 Euro pro Stück. "Wir wollen das maßvolle und bewusste Genussrauchen, wie es Zigarren- und Zigarillo-Liebhaber pflegen, unterstützen", sagt Karl-Heinz Messmer. Einen weiteren Aufschwung nahm das Unternehmen mit derzeit 40 Beschäftigten vor knapp zehn Jahren mit der Renaissance der Zigarre - damals machte der legendäre Zino Davidoff das genussvolle Rauchen wieder hoffähig.

Stolz sind die Messmers auch auf ihren modernen, elektronisch gesteuerten Maschinenpark. Wenn Probleme an den kostspieligen Aggregaten auftauchen, legt hin und wieder der Seniorchef selbst Hand an. In ihrer Manufaktur suchen die beiden Messmers ständig nach immer besseren Lösungen. Ein Zeugnis davon sind auch die selbst gestalteten Zigarrenkistchen, die in der eigenen Kistenmacherei gefertigt werden. Dass auch Marketing oder Werbung hausgemacht sind, ist in dem Familienunternehmen selbstverständlich. Damit die bundesweit 2000 belieferten Kunden, überwiegend Tabakwarenfachgeschäfte und der Fachgroßhandel, auch weiter den blauen Dunst aus dem Hegau schätzen.

Gerhard Herr
Aktualisiert: 25.01.2002, 19:08 Uhr

Stuttgarter Nachrichten online
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von Matthias Flachmann
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